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Helfen können, wenn es darauf ankommt!


Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Sturz im Sportunterricht, Kreislaufprobleme in der Pause oder eine plötzliche Verletzung im Alltag. Situationen wie diese entstehen oft unerwartet und zeigen, wie schnell Hilfe notwendig werden kann. Solange alles funktioniert, erscheint Gesundheit selbstverständlich. Erst im Ernstfall wird deutlich, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein und vor allem: zu handeln!

Viele Jugendliche absolvieren einen Erste-Hilfe-Kurs, meist im Zusammenhang mit dem Führerschein. Dabei werden grundlegende Maßnahmen vermittelt, Abläufe eingeübt und typische Notfallsituationen besprochen. Doch zwischen dieser theoretischen Vorbereitung und dem tatsächlichen Handeln im Ernstfall besteht häufig eine Lücke. Es reicht nicht aus, zu wissen, was zu tun ist – entscheidend ist, dieses Wissen auch anzuwenden.

Erfahrungen als Schulsanitäter

Seit der 9. Klasse bin ich Teil des Schulsanitätsdienstes. Anfangs stand vor allem das Interesse im Vordergrund: zu verstehen, wie Erste Hilfe funktioniert und was hinter der Erstversorgung steckt.

Mit der Zeit wurde mir jedoch bewusst, dass diese Aufgabe weit über medizinisches Wissen hinausgeht. Im Schulalltag kommt es immer wieder zu Situationen, in denen Hilfe benötigt wird, meist keine dramatischen Notfälle, sondern kleinere Verletzungen oder Kreislaufprobleme. Gerade dann ist es entscheidend, ruhig zu bleiben, die Situation richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren.

Oft sind es einfache Maßnahmen, die bereits einen Unterschied machen: ein Pflaster, ein Kühlpack oder ein beruhigendes Gespräch. Diese Erfahrungen zeigen, dass Erste Hilfe nicht nur aus festen Handgriffen besteht, sondern ebenso aus Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und der Bereitschaft, in einem unsicheren Moment Verantwortung zu übernehmen.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Der Schulsanitätsdienst ist nicht nur eine praktische Unterstützung im Schulalltag, sondern auch Ausdruck eines funktionierenden Miteinanders. Erste Hilfe gelingt selten allein – sie ist auf Zusammenarbeit angewiesen.
Herr Kreidler, der den Schulsanitätsdienst betreut, beschreibt die Situation so:

Wo viele Menschen zusammenkommen, ist es immer möglich, dass es zu Unfällen kommt. In der Schule ist dies besonders oft im Sportunterricht und in den Pausen zu beobachten. Aber auch im normalen Unterricht kommt es vor, dass Personen ohnmächtig werden oder sich verletzen.“

Gerade in solchen Momenten übernehmen Schulsanitäter eine wichtige Rolle:
Die Lehrkräfte müssen sich oft gleichzeitig um die Klasse kümmern, während die Schulsanitäter die Erstversorgung übernehmen.“

Neben der unmittelbaren Hilfe hebt er auch die persönliche Entwicklung hervor:
In erster Linie lernen die Jugendlichen, in Ausnahmesituationen Verantwortung zu übernehmen. Außerdem werden Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Selbstbewusstsein gestärkt.“

Damit wird deutlich, dass der Schulsanitätsdienst nicht nur eine zusätzliche Aufgabe ist, sondern ein fester Bestandteil des schulischen Miteinanders.

(Hier ein Teil des Schulsani-Teams am Tag der offenen Tür)

Wie sicher fühlen sich Schülerinnen und Schüler der Q13 bei Erster Hilfe?

Besonders interessant wird das Thema, wenn man sich anschaut, wie sicher sich Jugendliche selbst einschätzen. In der 13. Jahrgangsstufe haben in den letzten zwei Jahren nahezu alle Schülerinnen und Schüler einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, da dieser für den Führerschein notwendig ist. Man könnte also erwarten, dass sich die meisten sicher fühlen.

Um das genauer zu überprüfen, habe ich eine Umfrage durchgeführt, an der 32 Schülerinnen und Schüler der Q13 teilgenommen haben. Die Frage lautete:
„Fühlst du dich sicher genug, im Notfall Erste Hilfe zu leisten?“
Ja, ich fühle mich sehr sicher – 8 Stimmen (25 %)
Ich würde helfen, bin aber unsicher – 24 Stimmen (75 %)
Ich fühle mich eher unsicher – 0 Stimmen (0 %)
Nein, ich würde mich nicht trauen – 0 Stimmen (0 %)


Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Bereitschaft zu helfen ist sehr hoch, gleichzeitig fühlen sich aber viele auch unsicher. Gerade dieser Unterschied ist bemerkenswert, da alle Befragten den Erste-Hilfe-Kurs erst vor relativ kurzer Zeit absolviert haben.
Herr Kreidler sieht dafür einen klaren Grund:

Meist ist es die Angst, etwas falsch zu machen. Aber das einzig wirklich Falsche ist, nichts zu tun. Außerdem sind die Kenntnisse oft veraltet, was zusätzliche Unsicherheit verursacht.“

Diese Einschätzung zeigt, dass Wissen allein nicht ausreicht. Sicherheit entsteht vor allem durch Übung und Erfahrung.


(hier zwei Schulsanitäterinnen am Tag der offenen Tür)

Gesundheit als gemeinsame Aufgabe

Der Schulsanitätsdienst macht deutlich, dass Gesundheit nicht nur Aufgabe von medizinischem Fachpersonal ist. Auch im Alltag können Schülerinnen und Schüler Verantwortung füreinander übernehmen.
Dabei geht es nicht nur um medizinische Maßnahmen. Oft ist es ebenso wichtig, Ruhe zu bewahren, jemanden zu unterstützen oder Hilfe zu organisieren.
Gesundheit zeigt sich damit auch im Umgang miteinander, in Aufmerksamkeit, Rücksicht und gegenseitiger Unterstützung.

Mehr als ein Kurs

Erste Hilfe sollte nicht nur als Voraussetzung für den Führerschein gesehen werden. Sie vermittelt Fähigkeiten, die weit über den Straßenverkehr hinausgehen und im Alltag eine wichtige Rolle spielen.
Herr Kreidler gibt dazu einen klaren Impuls:
Nutze die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Engagiere dich in einem Ehrenamt, in dem du mit Menschen deiner Altersgruppe eine wertvolle Aufgabe übernehmen kannst.“
Seit ich selbst Teil des Schulsanitätsdienstes bin, sehe ich das Thema Gesundheit aus einer anderen Perspektive. Es geht nicht nur um seltene Notfälle, sondern um Aufmerksamkeit im Alltag und die Bereitschaft, im richtigen Moment zu handeln.

Vielleicht beginnt es genau dort: vorbereitet zu sein und im Ernstfall nicht wegzusehen, sondern zu helfen. Viele wären bereit, einzugreifen, doch im entscheidenden Moment fehlt oft die nötige Sicherheit. Genau hier setzt Erste Hilfe an: nicht als perfektes Können, sondern als bewusste Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen. Denn im Ernstfall zählt nicht Perfektion, sondern der Mut, überhaupt zu handeln.

S.R. Q13

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