Frankreichaustausch
Frankreichaustausch 2008
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Morgens, kurz vor 6 in Scheinfeld, Deutschland. Endlich waren alle Schüler angekommen und ließen ihr Gepäck in den Bus verladen. Nachdem sich die aufgeregten Jungs und Mädchen der Klassen 8a, 9a und 9c von ihren Eltern, Freunden, oder Geschwistern verabschiedet hatten, ging es los.
Vor uns lagen 15 Stunden Fahrt und dann 10 Tage, die keiner so schnell vergessen würde. Wenn es ein Wort gibt, dass die Fahrt nach Larche beschreiben kann, dann ist es sicherlich: lang! Aber alles in allem war sie bereits ein gelungener Auftakt, auch wenn bei den Gesangseinlagen keiner so recht mitmachen wollte?
Als wir schließlich plötzlich wieder hellwach (sogar diejenigen, die fast die ganze Fahrt verschlafen hatten), auf dem Parkplatz des Colleges unserer Austauschpartner ankamen, war es bereits 21 Uhr. Voll freudiger Erwartung stiegen wir aus und suchten unsere Gastfamilien. Ab jetzt hieß es all unser Schulfranzösisch zusammenkratzen, um uns zurechtzufinden. Eine der schlimmsten aller "Prüfungen" erwartete uns noch am selben Abend: Das erste Essen. Nachdem wir das mehr, oder weniger tapfer hinter uns gebracht hatten, ging es erstmal ins Bett.
Als wir uns am nächsten Morgen alle vor dem College einfanden, das uns übrigens im ersten Moment ziemlich merkwürdig vorkam, konnte der Redefluss nicht mehr gestoppt werden, so viel gab es zu erzählen. Nach einer Stunde Unterricht bei Herrn Krapp und Herrn Huth, ging es zum Rathaus, wo wir vom Bürgermeister mit einer kurzen Willkommensrede und einem kleinen Snack begrüßt wurden.
Zurück im College kämpften wir mit dem Kantinenessen. Am Nachmittag unternahmen wir eine Wanderung am "Lac du Causse", wo wir, trotz anfänglichem Sitzstreik - der von Herrn Krapp mit dem Satz: "Gut, dann machen wir eben ab jetzt jeden Morgen Unterricht!" zerschlagen wurde - und Nieselregen, einen Eindruck von der schönen Landschaft um Larche bekamen. Ein Teil der Gruppe besuchte zusammen mit Herrn Huth eine französische Grundschule, an der wir vorbeigekommen waren, während Herr Krapp und einer der französischen Lehrer uns Erklärungen zur Entstehung der Karstlandschaft gaben.
Am nächsten Tag besuchten wir den 7. Himmel aller Naschkatzen: Die "chocolaterie Lamy" in Brive. Dort wurde uns erklärt, wie Schokolade hergestellt wird und wir durften selbst etwas aus Schokolade gestalten. Danach bummelten wir noch eine halbe Stunde durch die Stadt, bevor wir in die Familien zurückkehrten, bei denen wir den Nachmittag verbrachten, da unsere "Corres" mittwochs keinen Nachmittagsunterricht haben.
Am Donnerstag begaben wir uns bei morgendlichem, die Sicht behindernden Nebel, dann aber strahlendem Sonnenschein, nach Padirac. Dort besichtigten wir den "Gouffre de Padirac", eine wunderschöne Grotte. Auf unserem Weg durch den Untergrund mussten wir erst ein Stück Boot fahren und dann gingen wir zu Fuß weiter. Überall floss Wasser, bei dessen Anblick viele auf dieselbe Idee kamen: "Boah, wenn das Wasser nicht nur 12°C hätte, würde ich versuchen da drin zu schwimmen!" Nach einem kleinen Picknick, fuhren wir nach Martel, wo wir eine Rundfahrt mit dem "petit train touristique" machten.
Der Freitag war unseren urzeitlichen Vorfahren gewidmet. Zuerst fuhren wir nach Lascaux, wo wir die Nachbildung der berühmten Höhle besichtigten. Bei der Führung lernten wir alles über die eindrucksvollen Malereien, die die Wände der Höhle bedecken. Später war es an uns, Höhlenmalereien und prähistorische Schmuckstücke herzustellen, denn nach der Besichtigung des "abri de poisson", einer kleinen Höhle mit einem in die Decke gemeißelten Fisch (einer nur sehr selten in der steinzeitlichen Kunst vorkommenden Figur), durften wir uns mit echten Naturfarben an einer nachgebildeten Höhle austoben.
Und dann kam es: Das Wochenende! Die ultimative Prüfung unseres Französischkönnens? Zweieinhalb Tage lang mussten sich die meisten von uns ohne auf andere Deutsche zu treffen mit ihrem Französisch durchschlagen. Dabei merkten wir, dass all der Unterricht letztendlich doch etwas gebracht hatte. Alle von uns unternahmen etwas anderes. Einige gingen mit ihren Austauschpartnern bowlen, andere besuchten Burgen oder Städte. Und einige fuhren sogar ins nur zwei Stunden entfernte Bordeaux, zum Atlantik.
Nachdem wir uns im College, wo wir wie jeden Morgen in der Aula warteten und von den französischen Schülern neugierig beobachtet wurden, über das Wochenende ausgetauscht hatten, fuhren wir nach Pompadour. Dort angekommen, besichtigten wir zuerst das Schloss, was, trotz des strömenden Regens, ziemlich interessant war. Die Pferdefreunde unter uns hatten sich auf diesen Tag besonders gefreut, denn bereits im Schloss durften wir einige berühmte Sprung-, Renn- und Dressurpferde anschauen. Außerdem erfuhren wir vieles über die Geschichte des Schlosses und die zeitweilig dort wohnende Madame Pompadour. Anschließend besichtigten wir einen Teil des Gestüts von Pompadour (dem zweit größten Gestüt Frankreichs) in dem Zuchthengste, die fast alle früher berühmte Sportpferde waren, untergebracht sind. Nach einem Picknick und einer weiteren kurzen Busfahrt schauten wir uns noch das eigentliche Gestüt an, wo wir sogar ein gerade einmal drei Tage altes Fohlen beobachten durften.
Am darauf folgenden Tag wurden wir alle zu deutschen Botschaftern, denn wir fuhren nach Beaulieu, der Partnerstadt Scheinfelds. Dort wurden wir nach einer kleinen Verzögerung vom Partnerschaftsverein und und einem Vertreter des Bürgermeisters begrüßt. Anschließend besichtigten wir die Stadt in zwei Gruppen. Den Namen Beaulieu (schöner Ort) hat die in einem Tal gelegene kleine Stadt auf jeden Fall verdient. Da Beaulieu für seine Erdbeeren bekannt ist, bekamen wir alle frische Erdbeeren und ein Stück Nusskuchen mit auf den Weg. Ein Besuch von Beaulieu lohnt sich also wirklich sehr! Auch wenn die Lehrer von dem anscheinend sehr guten Essen etwas sehr lange aufgehalten wurden und wir deswegen eine Weile warten mussten, bis wir wieder wegfahren konnten. Am Nachmittag besuchten wir schließlich noch "Collonge la Rouge", eine Stadt, in der fast alle Häuser und auch die Burg aus rotem Sandstein erbaut sind.
Am Dienstagabend fanden wir uns alle mit unseren Gastfamilien wieder im College ein. Zum Abschluss des Austausches bedankte sich die Rektorin für unseren Besuch. Auch die deutschen Schüler und unsere Lehrer, bedankten sich beim College, den Lehrern, den Gasteltern und natürlich den Austauschpartnern. Bei einem Abendessen in der Kantine lauschten wir der musikalischen Einlage von Herrn Huth und Herrn Krapp. Dann spielten uns einige der Grundschüler aus Larche ein kleines Theaterstück auf Deutsch vor. Anschließend hieß es für uns Schüler erst einmal so viel Lärm wie nur möglich machen! Während ein Teil von uns gegen die französischen Schüler Fußball spielte (und übrigens sogar gewann!), versuchten die anderen mit ihrem Gesang die Lieder der Franzosen zu übertönen.
Dieser bunte Abend war wirklich ein gelungener Abschluss unseres Aufenthalts!
Am nächsten Morgen war es schließlich an der Zeit auf Wiedersehen zu sagen. Teilweise unter Tränen wurde sich umarmt, die Hand geschüttelt, Küsschen ausgetauscht und lange gewunken. Viele wollten ihre Partner gar nicht mehr gehen lassen (es wurden sogar schon Pläne geschmiedet, die Reifen des Busses aufzustechen, damit wir nicht fahren könnten). Auch wenn wir unsere jetzt zu Zweitfamilien gewordenen Gasteltern und Austauschschülern verabschiedeten, so ist es doch für einige nicht ein Abschied auf ewig. Viele planen sich in den Ferien noch einmal mit ihren "corres" zu treffen. Außerdem gibt es noch die Chance in der 11. Klasse einen dreimonatigen Austausch mit dem Lycée in Brive, das einige der französischen Schüler nach der 10. Klasse besuchen werden, zu machen. Auch wenn man sich an das französische Leben schon gewöhnt hatte, so war es doch schön nach der langen Rückfahrt mit unvergesslichen Erinnerungen und Eindrücken wieder in die eigene Familie zurückzukehren.
Wenn wir jetzt auf den Austausch zurückblicken, sagt sicherlich fast jeder, dass es eine wunderschöne Zeit war. Nette Gastfamilien, tolle Ausflüge, neue Freundschaften und aufopfernde Lehrer, besonders zu erwähnen ist hier Herr Krapp, der zum Wohl einer Schülerin Tausende von Kilometern mit dem Zug in zwei Tagen hinter sich gebracht hatte. Aber auch Herr Huth und Frau Hüttenrauch hatten immer ein offenes Ohr für die Schüler und taten alles in ihrer Macht stehende, um uns zu helfen; das ist es, was den Austausch so unvergesslich macht. Und auch unserer Französischnote wird er hoffentlich geholfen haben!
Text: I. Scharfenberg, 9a
